3 Tage Wildnis

Einstieg sechs Kilometer vor den letzten Bewässerungsrohren der Zivilisation. Wasserstand mittelhoch und schnell fließend. Es ist noch dazu drückend schwül aber ich komme gut voran. Dakota braucht durch die Hitze immer wieder eine Abkühlung. Die Landschaft die an uns vorbei gleitet ist wunderschön, richtig wild und unberührt. Sehr viele Graureiher beobachten uns. Schwäne fliegen an uns vorbei und ein Mäusebussard vor uns her. Dann hatte ich noch das Glück das ich fünf Eisvögel hintereinander beobachten konnte.

Bis zur Einmündung des anderen Flusses komme ich ohne Probleme voran. Drei Stunden paddle ich schon, jetzt sind es noch so sieben Kilometer den Fluss entlang und dann in den nächsten Nebenarm rechts hinein. Dieses Gewässer mündet nach einigen Kilometern wieder in den Fluss.

Auf einer Böschung bewegt sich etwas und dann sehe ich ein junges Wildschwein das uns kurz neugierig beobachtet und dann wieder im Dickicht verschwindet. Nach drei Stunden komme ich an einer Insel an.  Dort bereite ich mein Lager für die Nacht vor und füttere Dakota. Keine Gelsen ?  Dann sammle ich Holz und mache Feuer. Für mich gibt es heute getrockneten Fisch und fünf getrocknete Hühnerherzen. So müsste sich mein mitgenommener Proviant für drei Tage ausgehen. 11 Liter Wasser habe ich dabei, zehn Liter im Kanister und ein Liter in der Feldflasche. Meine Touren plane ich immer nur mit minimalster Ausrüstung, Essen und Wasser.

Bis jetzt gibt es keine Gelsen aber dafür jede Menge Bremsen die uns sogar mitten am Fluss begleiten und unaufhörlich quälten. Ein Tagpfauenauge lässt sich auf meiner Plane nieder. Heute mache ich nur ein kleines Feuer. Es ist jetzt 17:30 Uhr und noch immer sehr heiß. Meinen heutigen Lagerplatz habe ich wieder sehr knapp neben dem Fluss aufgeschlagen. Wenn der Wind über den Fluss in unsere Richtung weht gibt es doch eine kleine kühle Brise als Abkühlung. Südlich, weit weg von uns, geht ein Gewitter nieder. Dieses Szenario an Blitzen, Donnergrollen und das noch bei fast Vollmond ist wunderbar anzusehen. Um 01:21 Uhr werde ich durch Dakota aufgeweckt. Sie beobachtet etwas im Wasser nah am Ufer. Nach genaueren Hinsehen, bemerke ich einen Fischotter bei der Jagd. Er kommt uns sehr nah und ich werfe einen Stein in seine Richtung, mit einem Peitschenschlag seines Schwanzes taucht er unter. Dakota und ich legen uns auf die Lauer. Vielleicht kommt er wieder. Und wirklich um 02:15 Uhr taucht er wieder auf. Schwimmt wieder in unsere Richtung und dreht dann nach links in die Mitte des Flusses ab. Ich schlafe wieder ein.

Seit 05:00 Uhr bin ich wach und wir genießen den Morgen. Jetzt ist es 10:29 ,  ich hänge meinen Schlafsack über mein Kanu, der spendet Dakota Schatten. Nach zwei Stunden verstaue ich alles im Kanu und paddle los, weiter den Fluss entlang.

Am Abend finde ich wieder einen geeigneten Lagerplatz. Letzte Nacht habe ich auf einer Mischung aus  Schotter und Sand geschlafen,  heute wird es nur feiner Sand sein. Leider sind wir hier nicht alleine, denn mit uns finden auch sehr viele Gelsen an unserem Lager gefallen. Hinter dem Lager befindet sich ein Tümpel den ich aber erst nach einer Erkundung sehe – deshalb die Gelsen. Es sind auch sehr viele Tierspuren zu sehen. Na, das wird eine spannende Nacht.

Dann mache ich Feuer und warte auf die Dämmerung. Dakota gräbt sich eine Mulde in der sie dann eingerollt liegt. Ich beobachte in der Nähe einen Flussregenpfeifer. Dieser Vogel legt seine gut getarnten Eier in den Schotterbänken ab.

Ich hole mein Magellan Triton-GPS um meine zurückgelegte Route anzusehen. Immerhin lässt es mich auch im kaputten Zustand (Batterie-Abdeckung) nicht im Stich.

Heute Abend ist es sehr wichtig, dass das Lagerfeuer viel Rauch gibt dann kommen weniger Gelsen. Geschätzte 20 Kilometer vor mir häufen sich die Gewitterwolken( Cumulusnimbus ) und ich richte mich auf eine Nacht mit Gewitter ein. Gegessen habe ich heute noch nichts da das zu meiner Einstellung in der Wildnis dazu gehört, eben so minimalistisch wie möglich. Aber Dakota hat ihr Futter bekommen. Die Fische unterhalten Dakota mit ihren Sprüngen aus dem Wasser, sozusagen Fernsehen für Dakota und auch für mich.

Das ist das erste Mal das ich Block und Kugelschreiber mit habe, so kann ich meine Erlebnisse auch schriftlich festhalten. Eigentlich wollte ich die Wasserstelle mit den Seerosen wieder finden. Doch das Kanu mit einem Gesamtgewicht von vierzig Kilo, ca. 500 Meter durch den Wald ziehen war mir dann doch zu anstrengend. Diese Tour war auch so anstrengend genug, dafür unvergleichlich schön – aber bald hat uns die Zivilisation wieder.